„Der Geist des Herrn ruht auf mir, weil er mich berufen hat. Er hat mich gesandt, den Armen die frohe Botschaft zu bringen. Ich rufe Freiheit aus für die Gefangenen, den Blinden sage ich, dass sie sehen werden, und den Unterdrückten, dass sie bald von jeder Gewalt befreit sein sollen.“ (Lukas 4:18-19)
Als ich noch glaubte, sprach ich in meiner Verzweiflung das folgende Gebet zu Gott:
Herr, Du forderst Deine Nachfolger auf, den Armen die frohe Botschaft zu bringen, Freiheit für die Gefangenen auszurufen, den Blinden zu sagen, dass sie sehen werden und den Unterdrückten, dass sie bald von jeder Gewalt befreit sein sollen. Du forderst Deine Nachfolger auf, sich in Nächsten- und Feindesliebe zu üben und hier auf dieser Erde Gutes zu tun…
Angesichts einer ewigen Höllenstrafe nach diesem kurzen Leben sehe ich jedoch keinen Sinn in der christlichen Nächsten- und Feindesliebe.
Warum soll ich als Christin das weltliche Leid meiner ungläubigen Mitmenschen lindern, wenn die Menschen nach dem Tod ewigliche Qualen erleiden werden? Was nützt einem Ungläubigen meine Nächstenliebe, wenn Du, Gott, ihn am jüngsten Tag verstösst? Was bedeutet schon das Leiden auf dieser Erde, wenn das Elend, das die Menschen nach dem Tod erwartet, tausendmal entsetzlicher ist? Was nützt es, wenn ich ungläubigen Menschen Gutes tue, ihnen das Leben im Diesseits verschönere, wenn es doch nur eine Frage der Zeit ist, dass sie ewiges, unsägliches Leid erleben? Was hat Nächstenliebe für eine Bedeutung, wenn sie nichts am tragischen Schicksal der Menschen in Ewigkeit ändert?
Warum soll ich als Christin den ungläubigen Menschen vergeben, wenn Du, Gott, ihnen nach dem Tod nicht vergibst? Was hilft einem ungläubigen Menschen meine Vergebung, wenn er noch immer Dein Feind ist? Diese Erdenzeit ist doch so kurz. Und wenn Du, Gott, alle verstösst, die als Deine Feinde gestorben sind, was hat es denn gebracht, dass ich diesen Menschen während unseres kurzen Daseins auf dieser Erde etwas Liebe und Vergebung gezeigt habe? Erwartest Du denn von uns Menschen etwas, was Du selbst nicht zu geben bereit bist? Bedingungslose Liebe und Bereitschaft zur Vergebung, selbst wenn unser Gegenüber uns nicht liebt und keine Reue zeigt? Du aber liebst nur bis wir sterben und vergibst nur, wenn wir bereuen?
Weshalb, Gott, soll ich mich um hungernde Kinder in Afrika kümmern, wenn doch Armut zu Sünde führt und diese Kinder kaum je von Dir hören werden? Wirst Du sie nach dem Tod für ihre Sünden, für die sie keine Schuld tragen, in einem immerwährenden Feuersee bestrafen? Wäre es dann nicht besser, man würde sie als Babies verhungern lassen, damit sie gar nie erst das Alter erreichen, in dem sie vor Dir strafmündig werden? Weshalb sollten die Menschen überhaupt Kinder gross ziehen, wenn doch alle Menschen in Sünde geboren werden und sich kaum einer aus dem Sündenpfuhl befreien kann? Warum machen die Christen so ein Theater, wenn es um Abtreibung geht? Wäre Abtreibung nicht ein effizienter Weg, um kleine Seelen vor den Versuchungen dieser Welt und damit auch vor der Gefahr der ewigen Höllenstrafe zu schützen?
Und was ist mit all den guten Werken, der Nächstenliebe, von Ungläubigen? Werden diese einfach vergessen sein nach dem Tod? Werden sie sich in Luft auflösen, so als wären sie nie erbracht worden? Wurden denn nicht auch christliche Herzen von den guten Taten Ungläubiger bewegt? Ein schönes Konzert, ein gutes Essen, tröstende Worte, eine liebevolle Umarmung… „Wo ist der Geiger, der mir auf Erden so manchen Moment der Freude bescherte, während ich im Gebet zu Dir versank?“ wird ein Gläubiger im Himmelreich fragen. „Wo ist die nette Nachbarin, die für mich gekocht hat, als ich alt und gebrechlich war?“ ein anderer. „Und wo ist mein bester Freund, der mich durch Freud und Elend begleitet hat, der mich tröstete und verstand?“. Und dann, Gott, wirst Du sagen: „Diese Menschen haben nicht an meinen Sohn geglaubt. Sie lebten in Sünde, und deshalb werde ich sie für immer im Feuersee quälen.“?
Und Menschen, die Nächstenliebe üben und Deine Schöpfung lieben aber nicht über Dich nachdenken, sollen sie alle verloren gehen? Es kann doch nicht sein, dass Du jene verstösst, die sich in der Welt um andere Menschen, Tiere und Pflanzen kümmern anstatt sich mit der Bibel und Deinem Sohn zu befassen. Und all die Christen, denen jeglicher Sinn für die Schönheit des Lebens abgeht, die es kaum erwarten können, dass Du diese Welt bald vernichtest, die nichts mit Tieren anfangen können und keine Liebe zur Natur aufbringen… sie dürfen die Ewigkeit in einem herrlichen Garten zubringen, im Einklang mit den Tieren, die sie zuvor ohne Bedenken verzehrt haben? Ist es nicht „Perlen vor die Schweine geworfen“, wenn diese Menschen eines Tages im Garten Eden all die schönen Tiere und Pflanzen um sich geniessen, die andere für sie gehegt und gepflegt haben, während die Gärtner und Tierfreunde in der Hölle verbrennen?
Herr, ich kann diese Gedanken nicht ertragen. Sie zerreissen mir das Herz. Sie sind dermassen entsetzlich. Aber sie entspringen der christlichen Lehre.
Amen.
Hallo Mirjam!
Du stellst sehr interessante Fragen! Und ich kann einige einer Gedankengänge auch nachvollziehen ( ich stecke oft selbst voller Zweifel und Verzweiflung).
„wenn doch alle Menschen in Sünde geboren werden und sich kaum einer aus dem Sündenpfuhl befreien kann? “
Dazu fiel mir spontan ein, dass uns doch Jesus aus dem „Sündenpfuhl“ befreit hat, eben weil wir es nicht selbst können. Das weiß Gott doch. Gott weiß doch wie es um uns steht.
In den Psalmen heißt es doch, dass er weiß ob wir sitzen oder stehen. Dann weiß er doch auch wie es in unserem Herzen aussieht.
Hmm und du schreibst, was es denn nütze wenn man den Menschen Gutes tut.
In der Bibel steht doch auch, dass wir alles was wir anderen Gutes getan haben, Jesus selbst getan haben.
Aber ich glaube auch, dass die „guten Werke“ Resultat aus der Beziehung zu Jesus sind. Es steht doch auch, dass wir aus uns selbst heraus nichts tun können und das Gott den Glauben schenkt, dass Gott mit seiner Liebe um uns wirbt.
Ich habe gestern beim Aufräumen eine Predigt auf dem PC gefunden ( von „Spurgeon“, in der heißt es auch:
„Siehe, ich will euch heute morgen ein Führer sein und euch einen Pfad zeigen, auf dem ihr von der Sünde frei werden und zu den höchsten Höhen der Gnade emporsteigen könnt.
Seht ihr jenen schmalen Steig, jenen gesegneten Fußpfad? Es ist ein Pfad, den die Liebe gemacht hat, folgt ihm und ihr werdet hinkommen, wo ihr wünscht.
Nicht da, nicht da, wo Moses sagt, ihr müßt; nicht da, nicht da, wo die Furcht spricht, wenn ihr es nicht tut, werdet ihr umkommen; nicht da, wo das Gewissen euch beunruhigt und schreckt,
sondern hier, wo Jesus sich euch zeigt und spricht:
„Ich habe mich dir vermählt; du bist meine Braut, du bist ganz mein eigen: Ich liebe dich mehr als ich mich selber liebe, denn ich schonte meiner selbst nicht, sondern starb für dich. Ich will dich lieben, wie groß deine Schwachheit und Sünde auch sein mag; ich will dich lieben, bis ich dich gewaschen und rein gemacht habe; und dann will ich dich mir selbst darstellen „ohne Flecken oder Runzel oder des etwas.“
Ich ziehe dich, aber du kommst nicht, wie du solltest; indessen, ich will dich immer noch ziehen, bis ich dich von dir selber und deiner Sünde und deiner Torheit hinweggezogen habe. Ich will dich ziehen und dich ziehen und dich ziehen, bis ich dich hinaufgezogen zu meiner Rechten, und da sollst du bei mir sein für immer!“
(Spurgeon) “
Das fand ich für mich persönlich sehr ermutigend, weil mir Dinge auch oft unklar sind und ich keine Antworten finde.
Du hast Recht, in der Bibel werden oft verschiedene Töne angeschlagen, mit denen ich auch oft nicht gut umgehen kann, bzw. nicht weiß wie ich sie einordnen soll.
Aber es steht doch auch, dass Gott sich auf die Suche nach uns macht ( verlorenes Schaf).
Auf der anderen Seite spricht Jesus auch klar und direkt, was mir auch oft Sorge macht, wie es denn genau gemeint ist und ob ich es richtig verstehe.
Es gibt da wohl auch die berühmten “ Zwei Seiten vom Pferd“ auf denen man herunterfallen kann ( also zu lasche Ansicht oder zu streng).
Von: H- am Juli 3, 2008
um 6:03
Hallo Mirjam,
Nein ein ganz entschiedenes Nein. Sie entspringen nicht der christlichen Lehre. Sie entspringen dem was unverständige Erwachsene einem sensiblen Kind aufgebürdet haben.
Sie entspringen auch dem Wunsch eines Kindes, was alle Schuld der Welt lieber auf sich nehmen möchte um bloß keinen anderen Leiden zu lassen.
Sie entspringen auch dem Wunsch einer Seele, noch einmal in dieser Welt zu inkarnieren um die Erlösung zu vervollständigen. Das heißt ganz konkret, die Hölle hat diese Seele (hast Du) schon erfahren. Wann auch immer und wo auch immer.
Nur was ein Mensch schon einmal erlebt hat, davor entwickelt er eine große Abneigung und Angst. Ein Kind, und die reine Seele bleibt ein Kind unschuldig und unverdorben, liebt bedingungslos und allumfassend. Darin ist es/sie Du mit Gott gleich.
Anscheinend bist Du mit so komischen Christen zusammen gekommen, die selber in ihrer Höllenangst stecken geblieben sind.
Mit Deiner Angst und der Angst dieser Christen ist Jesus vertraut im Getsemani und am Kreuz:“Mein Gott, mein Gott warum hast Du mich verlassen“ (Ps 22)
Dieser kindliche Glaube und Wunsch, die ganze Welt retten zu wollen muss sterben und aufgegeben werden. Zu Gunsten eines ganz gesunden Egoismuses. „Alles was ich tue, tue ich für mich.“ habe ich mir vor 12 Jahren gesagt und bin gut dabei gefahren. Ich konnte mich 9 Jahre an ein und der selben Stelle halten und habe sie dann konsequenter Weise verloren. „Ich gehe jetzt meinem Hobby nach“, wie mir mal ein Kaplan sagte: „Ich sage den Menschen, dass Gott sie liebt und alles andere folgt daraus.“
Der Tod hat nicht das letzte Wort sondern der Tod versöhnt eher und bringt den ewigen Ankläger zum Schweigen.
Echte Christen glauben an die Auferstehung, die anderen an Angst, Rache und Verdammung, davon kann nur der erlöst werden, der es will und Du willst es und das ist ein Grund zur Freude.
http://podcast.wdr.de/radio/zeitzeichen.xl
Von: rotegraefin am August 26, 2008
um 3:52
Das, was unverständige Erwachsene einem sensiblen Kind aufgebürdet haben, ist die christliche Lehre. Lies mal die Bibel, die ja die Grundlage der christlichen Lehre ist…
Von: Mirjam am August 26, 2008
um 7:07
Die christliche Lehre ist aber für die Erwachsenen gedacht und nicht für die Kinder.
Erst die unchristliche Haltung:“Ich habe den rechten Glauben und du nicht.“ Hat immer wieder zur Verfälschung der frohen Botschaft beigetragen.
Glauben ist keine Sache des Habens und keine reine Sache des Verstandes. Erst in der Abwechslung von Gefühl, Verstand und Vernunft schält sich langsam aber sicher durch alle Irrungen und Wirrungen der lebendige Glaube heraus.
So kann ich heute nur die frohe Botschaft bringen, Du bist göttlich und okay und deine Entscheidung ist es deswegen auch. Ich bin neugierig,was am Ende dabei raus kommt.
Von: rotegraefin am August 28, 2008
um 7:56
Warum ist die christliche Lehre nicht für die Kinder gedacht? Und wenn das so ist, sollte man dann nîcht aufhören, an Schulen Religion zu unterrichten?
Die Haltung: „Ich habe den rechten Glauben und du nicht“ erachte ich als äusserst christlich, obwohl die gemässigten Christen das nicht zugeben wollen. Ich kann dabei nur auf die Bibel verweisen…
Ich respektiere Deine Ansicht, dass wir alle göttlich sind, und vielleicht hast Du ja sogar recht. Leider ist das aber nicht die christliche Auffassung, die das Thema dieses Blogs ist.
Von: Mirjam am August 28, 2008
um 11:09
Hallo Mirjam,
weil Jesus gesagt hat: „Lasset die Kinder zu mir kommen und währet es ihnen nicht.“
Wir gleichzeitig, die Aufforderung von ihm bekommen haben: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder könnt ihr nicht in das Reich Gottes eingehen.“
Guck wie Kinder sind und lern von ihnen.
Ich habe den Auftrag: Den Nächsten zu lieben wie mich selbst. Und meine Feinde zu lieben.
K.G. Chesterson schreibt: Vermutlich weil es sich um die selben Personen handelt.
Ich nehme den weitverbreiteten Selbsthass der Menschen aufs Korn. Dieser weitverbreitete Selbsthass, verbunden mit der Ablehnung der Gefühle führt zu so vielen schlimmen Dingen wie unter anderem der Gruppe der Evangelikalen.
Zum Beispiel betet die röm. kath. Kirche in jeder Messe ein total verwirrendes Gebet: „Herr Jesus Christus schaue nicht auf unsere Sünden, sondern auf den Glauben deiner Kirche und schenke ihr nach deinem Willen Einheit und Frieden.“
Davor wird das Vater unser gebetet mit der Bitte: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“
Kannst Du mir bitte sagen was das für ein Christus ist, der nicht hingucken soll und wie kann ich Schuld vergeben, wenn ich nicht hingucke?
Von: rotegraefin am August 29, 2008
um 7:30