Meine erste Weihnachten als Nichtchristin. Nach einem langen Leidensweg durch das Fegefeuer des Christentums fühle ich mich heute endlich frei. Ich hätte nie geglaubt, dass ich ohne Jesus angstfrei leben könnte. Ich durfte jedoch in den vergangenen Jahren erfahren, dass der Glaube an Jesus die Ursache meiner Ängste war und nicht der sichere Zufluchtsort, als den ihn die Christen beschreiben.
Ich bin zur Erkenntnis gekommen, dass das Christentum aus verschiedenen Elementen von Jahrhunderte alten mystischen Kulten und Brauchtümern, aus religiösen Strömungen, aus heidnischen und jüdischen Volkssagen und Philosophien zusammengeschustert wurde und dass zur Untermauerung des neuen Glaubens alte Schriften von jüdischen Machthabern, Gelehrten und Propheten so uminterpretiert wurden, dass sie für den neuen Glauben, der zunächst symbolisch-gnostisch war und erst später historische Gültigkeit für sich beanspruchte, passten.
Dass Jesus, so wie er im neuen Testament beschrieben wird, jemals existierte, glaube ich nicht mehr. Die Figur Jesus wurde kreiert und man legte Jesus Florilegien, Sprüche und Weisheiten aus alten Zeiten in den Mund: An einer Stelle zitiert Jesus Platon, an einer anderen Stelle eine griechische Fehlübersetzung von Jesaja (Mark 7:6-8). Viele Zitate des neuen Testaments sind aus dem Zusammenhang gezerrte und völlig falsch verstandene Schriften des alten Testaments. Die Midrasch-Tradition, anhand derer alte, heilige Texte abgeändert wurden, um neue Gedanken auszudrücken, hat ebenfalls einen Beitrag zu den Missverständnissen des Christentums geleistet. Im alttestamentlichen Kontext werden viele Männer „Gottes Sohn“ genannt, aber keine der Beschreibungen, die heute auf Jesus umgemünzt werden, war so gemeint, wie die Christen sie verstehen. Im Buch Samuel ist mit „Gottes Sohn“ ganz eindeutig Salomon gemeint und niemand anderer.
Liebe Christen, wenn Ihr in Euren Gebeten Jesus HERRN nennt, stellt Ihr Euch dann nicht manchmal die Frage, was das Wort HERR genau bedeutet? „Zu der Zeit fing man an, zu predigen von des HERRN Namen (1 Mose 4:26)“. „Herr“ ist jedoch kein Eigenname. Was war der Name des HERRN? Wie riefen die Menschen zur Zeit Sets ihren Gott an, und war der Name, den Set kannte, der gleiche, den auch Abraham, Moses oder Jesus verwendeten? Mein damaliger Pastor wollte mir diese Fragen nicht beantworten. Das sei zu kompliziert, meinte er. Ich musste also wohl oder übel selbst auf die Suche gehen und sämtliche in der Bibel verwendete Gottesnamen recherchieren… Auf der Suche nach dem Namen des Herrn wurde ich zum ersten Mal auf die heidnischen und polytheistischen Ursprünge der jüdischen und christlichen Religion aufmerksam: Es war nämlich keineswegs so, dass die Menschen zu Zeiten Sets, Abrahams, Moses oder Jesu alle den gleichen Gottesnamen verwendeten. Manche Autoren des alten Testaments nannten Gott El, andere Elohim und wieder andere nannten ihn Jahwe, manche gesellten Jahwe ausserdem eine Partnerin, Aschera, bei, die aber in späteren Schriften als Götze bezeichnet wird. In den Evangelien schliesslich nannte Jesus Gott Abba, Vater. Durch die Suche nach Gottes Namen bin ich auch auf die Urkundentheorie gestossen, die mir half, Klarheit in mein Verständnis des alten Testaments zu bringen.
Ich kann allen Christen, die Schwierigkeiten haben, ihre Gefühle mit den hartherzigen Lehren der Bibel in Einklang zu bringen, empfehlen, sich die Zeit zu nehmen, die Bibel zu lesen. Die Bibel hat mich frei gemacht, aber nicht in dem Sinne, wie ich es mir als Christin erhoffte, sondern in dem Sinne, dass ich hinter die Fassaden blicken konnte und dass ich die Menschenhände erkennen durfte, die sich an der Schaffung der Bibel beteiligten, die Machenschaften unter den Verfassern mit ihren unterschiedlichen Interessen, den Interessen des Königshauses Davids, den Interessen des Stammes Efraim, den Interessen des Südreiches gegenüber den Interessen des Nordreiches, den Interessen der Priester in der Zeit während und nach dem Exil, den Interessen der Exiljuden gegenüber denen, die nicht im Exil lebten… Mir fiel es wie Schuppen von den Augen, dass ich in all den Jahren dem grössten Dokumentenschwindel aller Zeiten auf den Leim gekrochen bin.
Ich hoffe Deine ersten Weihnachten in einem befreiten Leben waren schön.
Alles Gute für 2009
Von: rotegraefin am Dezember 31, 2008
um 5:22